1. Februar 2021

In der Zeit vom 01.12.2020 bis 31.01.2021 habe ich mich durch das Projekt „Der Corona-Code“ künstlerisch mit der Pandemie und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen auseinandergesetzt. Zeitgleich entwickelte sich die Pandemie um den Jahreswechsel hin zu ihrem bisherigen traurigen Höhepunkt mit täglich teilweise über 30.000 gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland.

Im Vordergrund meiner Arbeit stand Anfang Dezember 2020 zunächst eine umfassende inhaltliche Recherche. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine Reihe von abstrakten und konkreten Visualisierungsideen, Gestaltungsüberlegungen und Umsetzungspläne. Während der ersten vier Wochen habe ich hauptsächlich Informationen gesammelt. Ziel des Projekts war die Entwicklung einer Kunstsprache für die gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Hierfür war ein Überblick der prägendsten gesellschaftlichen Geschehnisse in Bezug auf die Krise erforderlich: Reaktionen auf politische Entscheidungen wie Kontaktbeschränkungen, Auswirkungen auf die Wirtschaft und ihre Folgen, Einflüsse von und Umgang mit Superspreading-Events, Demonstrationen, Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien, offene Fragen zur Herkunft und Ausbreitung des Virus, ethische und moralische Überlegungen zur Impfreihenfolge.

Nach dem wochenlangen Sammeln von Informationen begann ich Anfang des Jahres 2021 zunächst mit der Strukturierung der vorhandenen inhaltlichen Aspekte, dann mit der Priorisierung. Den Schwerpunkt setzte ich auf die direkten gesellschaftlichen Reaktionen im Hinblick auf einschneidende politische und soziopsychologische Ereignisse. Immer stärker drängte sich eine zentrale Frage in den Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit: Wie gehen wir als Menschen mit der lebensverändernden Krise um? Oder umgekehrt: Wie verändert die Krise uns als Menschen? Können wir entdecken und vielleicht sogar verstehen, welche Auswirkungen die Pandemie unsere Sicht auf uns selbst und unser Umfeld verändert? Beeinflusst die momentane Situation unsere Wahrnehmung der Mitmenschen? Fühlen wir uns mit Ängsten konfrontiert, die wir vorher nicht kannten? Sinkt mit der Zeit etwa die Hemmschwelle der Empfänglichkeit für Falschinformationen?

In der abschließenden Projektphase Ende Januar 2021 habe ich die gesammelten Eindrücke, die aufgenommenen Meinungen, Ansichten, Schicksale, Entwicklungen in Form von Bildern, Tönen, Videos und Sprache/Ausdruck in eine Collage transformiert. Im Vordergrund stand dabei der Erhalt des jeweiligen emotionalen Wertes. Mein unbedingtes Ziel war es, die Rezipienten des Corona-Code derart zu sensibilisieren, dass sie seine Auswirkungen auf uns als Menschen besser verstehen können.

Mein Ziel war die Herstellung einer Collage als Spiegel unserer bunten Gesellschaft. Ich habe das Virus und seine Auswirkungen in eine emotionale Kunstsprache übersetzt, die assoziativ und inspirativ Sinneseindrücke vermittelt und Fragen bezüglich der eigenen Wahrnehmung und Veränderung provoziert. Die eigene Auseinandersetzung gelingt dann am besten, wenn sie dadurch angestoßen wird, dass wir andere Menschen beobachten und verstehen. Dieses Anliegen scheint mir als Betrachter gelungen, darüber hinaus können die Eindrücke des Corona-Code auch nachhaltige Fragen hervorrufen: Wie gehen wir weiter mit den Einschränkungen des alltäglichen Lebens um? Was haben wir aus der Pandemie gelernt? Würden wir als Gruppe oder individuell anders auf eine folgende Krise reagieren?